Tagung (Initiates file downloadCFP als PDF hier)

Die Kodifizierung der Sprache.

Strukturen, Funktionen, Konsequenzen

Zeit und Ort: Do 26.02.2015 bis Fr 27.02.2015 in Würzburg

[überschneidungsfrei mit DGfS (04.03.-06.03), IDS (10.03.-12.03.), Ostern (03.04.-06.04.) und Rosenmontag (16.02.)]

 

Es ist seit langem bekannt, dass Sprachen dann in ein neues Entwicklungsstadium eintreten, wenn sie kodifiziert werden. Mit dem formulierten Kodex einer Sprache liegt eine Institution vor, in der die Reflexion über Sprache eine gesellschaftlich relevante Gestalt annimmt und „Regeln“ festgeschrieben werden. Ein Sprachkodex steht meistens in Zusammenhang mit nachdrücklichen Standardisierungs­entwick­lungen. Erstaunlicherweise wurde die Kodifizie­rung des Deutschen bisher noch nicht zu einem prominenten Gegenstand der Sprach­wissenschaft erhoben. Es gibt zwar einige Arbeiten, die die Kodifizierung der deutschen Rechtschreibung und der deutschen Aussprache untersuchen. Die anderen Sprachebenen, also Morphologie, Syntax, Lexik, Pragmatik sowie Text- und Diskurs­struktu­ren, wurden bisher aber höchstens am Rande anders akzentuierter Arbeiten behandelt. Diesem Defizit will die Tagung fürs erste an ausgewählten Punkten abhelfen. Es sollen einerseits theo­retische, methodologische und terminologische Probleme der Untersuchung von Sprach­kodifi­zie­rungen erörtert werden, andererseits ausgewählte Details und Pilotstudien zu einzelnen Aspekten der Kodifizierung und auf allen Sprachebenen präsentiert werden. Dabei wird die Kodifizierung der deutschen Standardsprache im Mittelpunkt stehen, kontrastive Studien zu Sprachkodifizierungen in anderen kulturellen und sprachlichen Umgebungen sind aber sehr erwünscht. Folgende Fragestellungen illustrieren exemplarisch das thematische Spektrum der Tagung:

  • Was ist ein Sprachkodex? Wie ermittelt man, was warum dazugehört?
  • Wer erstellt einen Sprachkodex aus welchen Gründen und mit welchen Zielen? In welcher Beziehung steht die Existenz von Sprachkodizes zur (Entwicklung der) Sprach­wissenschaft?
  • Welche Normgehalte werden mit welchen Intentionen und Konsequenzen in einem Sprachkodex auf welche Art und Weise formuliert? Welche sprachlichen Phänomene geraten warum und in welcher Intensität in den Blick der Sprachkodifizierung? Wie wirken sich sprachliche Zweifelsfälle aus?
  • Wie ist ein Sprachkodex formuliert? Wie entfaltet er seine Wirkung, insbesondere in Relation zu den unterschiedlichen Sprachebenen und in Rücksicht auf verschiedene soziale Gruppen? Welche Rolle spielen nationale Grenzen?
  • Wie haben sich Sprachkodizes im Laufe der Zeit verändert? Wie beeinfluss(t)en sie möglicher­weise die Entwicklung einer Sprache? Lassen sich positive von negativen Auswirkungen von Sprachkodizes unterscheiden?
  • Wie sollten Sprachkodizes sinnvollerweise beschaffen sein? Wie könnte bzw. sollte ihre Zukunft aussehen? Wer sollte Sprachkodizes erstellen? Wer nicht?

Für die einzelnen Vorträge sind jeweils 30 min vorgesehen (20 min Vortrag + 10 min Dis­kus­sion). Bitte reichen Sie Ihre Vortragsvorschläge als PDF-Datei bis zum 30.8.2014 via E-Mail an Sven Staffeldt (sven.staffeldt@uni-wuerzburg.de) ein. Die Abstracts sollten in deut­scher Sprache abgefasst und kurz, aber aussagekräftig sein.

 


Prof. Dr. W. Peter Klein und Dr. Sven Staffeldt