Intern
    Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft

    Forschung

    Dissertationsprojekt

    Arbeitstitel: "Verbale Wortbildung im frühneuzeitlichen Norddeutsch"

    Betreuer: Prof. Dr. Matthias Schulz

    Im Vergleich zu anderen Sprachstufen des Deutschen ist das Mittelniederdeutsche schlechter erschlossen. Besonders unberücksichtigt bleibt der Systembereich der Wortbildung[1]. Einzelne Untersuchungen bleiben dabei auf die Wortarten Substantiv, Adverb und Adjektiv beschränkt, während textbasierte Analysen der verbalen Wortbildung gänzlich fehlen[2]. Im Sinne einer grammatikographischen Beschreibung soll die Arbeit „Verbale Wortbildung im frühneuzeitlichen Norddeutsch“ an diese Forschungslücken anknüpfen und zum einen den Wortschatz von Teilen des mndt. Sprachraumes als systematisches Zusammenspiel von Wortbildungsmitteln sowie –mustern (Konvergenz, Konkurrenz, Opposition) (vgl. Solms 1998: 607) und Motivationsstrukturen zwischen den entstandenen Wortbildungskonstruktionen aufdecken und erfassen. Ziel des Projekts soll eine Analyse der Formen und Funktionen der mndt. verbalen Wortbildung sein. Bestandteile der Untersuchung umfassen auch eine Kategorisierung vorausliegender Basiswörter, Ableitungen sowie der Motivationsrichtung. Aus einer ausdrucksseitigen Perspektive heraus kann somit „Wortbildung als Mittel sprachlicher Gestaltung“ (Gützlaff 1989: 94) angesehen werden, die in ihrer Vielzahl an Ansätzen zur diachronisch und synchronischen Charakteristika der Wortschatzstruktur noch erforscht werden muss (vgl. Solms 1998: 596).

     


    [1] Mit ihrer Feststellung, „dass die Lexembildung in der mittelniederdeutschen Grammatik nirgendwo systematisch berücksichtigt worden sei“ (Möhn/Schröder 2009: 45) berufen sich Möhn/Schröder auf Cordes/Möhn (1983). Schröder schreibt 2014: „Als eine wesentliche Forschungslücke, die seit einiger Zeit in Angriff genommen wurde, kann die Lexembildung identifiziert werden (Schröder 2014: 151).

    [2] Vgl. Mähl (2004), Dahlberg (1962) sowie Möhn/Schröder (2009).

     


    Literatur:

    Cordes, Gerhard/Niebaum, Hermann (22000): Wortbildung des Mittelniederdeutschen. In: Werner Besch (Hrsg.): Sprachgeschichte. ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. Berlin/New York: De Gruyter. S. 1463–1469.

    Dahlberg, Torsten (1962): Mittelniederdeutsche Suffixabstrakta. Lexikalische und wortgeographische Randbemerkungen. Göteborg. Acta (=Göteborger germanistische Forschungen 6).

    Habermann, Mechthild (1994): Verbale Wortbildung um 1500. Eine historisch-synchrone Untersuchung anhand von Texten Albrecht Dürers, Heinrich Deichslers und Veit Dietrichs. Berlin: de Gruyter (=Wortbildung des Nürnberger Frühneuhochdeutsch 2).

    Mähl, Stefan (2004): Studien zum mittelniederdeutschen Adverb. Köln: Böhlau.

    Möhn, Dieter/Schröder, Ingrid (2003): Vorstudien zu einer mittelniederdeutschen Grammatik I. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprach­for­schung 126. S. 7-51.

    Möhn, Dieter/Schröder, Ingrid (2007): Sprachbedarf und Lexembildung am Beispiel der Grammatik des Mittelniederdeutschen. In: Hans Fix-Bonner (Hrsg): Beiträge zur Morphologie. Germanisch, Baltisch, Ostseefinnisch. (NOWELE; 23). Odense. S. 227-258.

    Möhn, Dieter/Schröder, Ingrid (2009): Lexembildung im Aufriss einer Grammatik des Mittelniederdeutschen. Das Adjektiv als Exempel. In: Alexandra Lenz/Charlotte Gooskens/Siemon Reker (Hrsg): Low Saxon Dialects across Borders – Niedersächsische Dialekte über Grenzen hinweg. (ZDL-Beiheft, H. 138). Stuttgart.  S. 38-59.

    Schröder, Ingrid (2014): Das Referenzkorpus: Neue Perspektiven für die mittelniederdeutsche Grammatikographie. In: Vilmos Ágel/Andreas Gardt (Hrsg.). Paradigmen der Sprachgeschichtsschreibung (Jahrbuch für germanistische Sprachgeschichte 5). Berlin/Boston: de Gruyter. S. 150–164.

    Forschungsinteressen

    • Historische Sprachwissenschaft des Deutschen (v.a. Niederdeutsche Sprachen)
    • Morphologie und Wortbildung im Deutschen
    • Korpuslinguistik
    • Stadtsprachgeschichte
    • Sprachwandel

     

    Vorträge

    "Die Stadtsprachengeschichte Greifswalds (14.–17. Jh.). Anforderungen an eine annotierte digitale Plattform aus der Sicht der historischen Sprachwissenschaft" (zusammen mit Prof. Dr. Matthias Schulz). Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der Historischen Kommission für Pommern e.V. Greifswald 2016.

    Programm

    "Sprachgeschichte vor Ort. Tagungsthema, Tagungsziele und das Projekt Greifswald Digital." Vortrag im Rahmen der Tagung "Sprachgeschichte vor Ort: Stadtsprachenforschung im Spannungsfeld zwischen Ortspunkt und Sprachraum." Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald 2017.

    Universität Greifswald
    Programm

    "Komposition und Kürzung. Tendenzen der Gegenwartssprache." Vortrag im Rahmen des "Tages der deutschen Sprache". Universität Samara 2017.

    Publikationen

    Kütt, Lukas/Macharowsky, Luisa 2017 [eingereicht]: Sprachgeschichte vor Ort.  Stadtsprachenforschung im Spannungsfeld zwischen Ortspunkt und Sprachraum – Bericht zur Sprachgeschichtliche Fachtagung am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, 11. bis 13. Mai 2017 am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald vpm 11. bis 13. Mai 2017. In:  Korrespondenzblatt des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung.

    Kütt, Lukas 2017 [eingereicht]: Abstoß, Schiri, Chancentod. Fußball aus einer linguistischen Perspektive. In: Samara.de. Zeitschrift für Deutschlernende in Samara.

     

     

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